Elektrogrill für Männer


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Ausgangssituation

Wir habe so einen kleinen Elektrogrill zu Hause. Sehr praktisch. Sehr langweilig.
Kein Feuer, kaum Qualm, nicht ein bischen gefährlich.  

  Andererseits:  

  Wir haben da so einen Testaufbau für Schweißstromquellen in der Firma, bei dem ein Schweißbrenner endlos lang auf einem sich langsam drehenden Rohr rumbrät. Nur, um die Stromquelle zu testen.  

  Da habe ich mal das Notwendige mit dem Nützlichen verbunden und mir ein paar Würstchen gegrillt.  

   

Die Grillheizung

Erstmal braucht man eine fette Industrieschweißstromquelle  

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Dazu ein Kühlgerät, um Brenner und Leistungsteil mit kaltem Wasser zu versorgen  

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Dazu je eine Buddel Helium und Argon.  

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Dazu die passenden elektronisch steuerbaren Gasmengenregler  

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Dann wird der zum Testbetrieb benutzte Lastwiderstand durch einen WIG-Brenner ersetzt  

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Der Grillrost

Einen Rost gibt's hier nicht. Dafür ein fettes Alu-Rohr in einer Drehvorrichtung:  

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Äh, was iss'n mit dem fetten schwarzen Kabel da hinten - oh, Masseleitung vergessen. Die kommt an den Schleifklotz der Drehvorrichtung.  

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  Nun ist der Aufbau komplett:  

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Und dreht auch: (Video, 351K)  

   

Vorbereitung

Erstmal eine Grundreinigung. Dazu eignet sich aufgrund der Maße hervorragend eine Klobürste. Ich habe dafür extra eine nagelneue besorgt:  

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Dazu eine Schäferbox mit Spüli und Wasser  

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Dann schrubben, bis das Alu glänzt: (Video, 482K)
 

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  Fehlt nur noch das Futter:  

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Würstchen, Kartoffelsalat, Senf. Ein Klassiker!
(Gut, dass ich mal einen Campingtisch angeschafft habe)  

  Der erste Drehversuch war recht vielversprechend: (Video,758K)  

   

Grill anschmeißen

Gasbuddel aufdrehen, Kühlgerät und Stromquelle einschalten.  

  Zünden. (Video, 296K)
 

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Lichtbogen brennt astrein!  

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Es ist tierisch grell - und tierisch laut, da Alu mit Wechselstrom geschweißt wird.
Die optimale Kameraposition musste erst gefunden werden  

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Tiefer - viel tiefer!  

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  Jetzt warten wir, während sich das Rohr bei 120A und 270Hz langsam aufheizt.  

   

Grillen

Die Wurst kommt nach 5 Minuten einfach in das sich langsam drehende Rohr:  

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Leider klebt die Wurst total an der Wand fest, statt locker zu rollen. (Video, 2,3MB)
Als wäre das Rohr mit Pattex bestrichen. (Video, 270K)
 

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Irgendwie war das Rohr wohl auch nicht heiß genug. Jedenfalls vertrocknete die Wurst eher, als zu braten.  

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Hier eine Drehung im Zeitraffer: (Video, 742K)  

  Für die 2. Wurst wurde daher der Grill optimiert:
Mehr Strom, Igor - und etwas Fett könnte nicht schaden....  

  Auf der Suche nach Bratfett fand sich im Kühlschrank eine halbe Packung Palmin - man kann auch mal Glück haben.  

  Das lief wie geschmiert!  

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  Jetzt wo der Grill richtig heiß war, war auch die Wurst ruck-zuck fertig.  

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Die Serienproduktion auch als Video (5.3MB)  

  Irgendwann war das Rohr so heiß, dass der Lichtbogen abgeschaltet werden musste, da das Fett kurz vor der Selbstentzündung stand. Welch idyllische Ruhe, wenn man nur noch das Kühlgerät brüllen hört (Kompressor und ein 60cm Lüfter ).  

  Witzig: Irgendwann kam die Wurst ins schwingen: (Video 373K)  

 
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  Ja, das ist ein Grill für Männer: Equipment für rund 100000 Euros, grelles Licht mit gefährlicher UV-Strahlung, beißender Qualm (die ganze Halle roch nach verbrutzeltem Fleisch), umherfliegende glühende Metallspritzer (Zeitlupe) und dazu ein tierischer Lärm.  

  F r i c k l e r r o m a n t i k PUR!  

 
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  Drei Würstchen später bimmelt's zur Mittagspause - Punktlandung. Von dem fertigen Würstchenteller gibt's leider kein Foto - die Gier, das Zeug zu futtern war bei allen Beteiligten größer als die Vernunft.  

  Also tauchten wir mit verblitzen Augen und tierischem Fettgeruch in den Klamotten im Pausenraum auf. Der Versuch hatte sich bereits rumgerochen...
Große Neugier bei den Kollegen - und große Skepsis: ihr wollt das doch wohl nicht echt essen, oder?
Doch! Klar! Deshalb treiben wir den ganzen Aufwand doch...  

  Bis auf die erste Schrumpelwurst is nix übrig geblieben.
(Wir würden doch nicht sinnlos literweise Schutzgas und Unmengen Strom verballern)  

   

Nacharbeiten

Nach der Pause riecht es immer noch interessant in der Halle.
Um die Drehvorrichtung sieht's schlimm aus. Und das Rohr is auch nich mehr Original.
Aber immer noch tierisch heiß!  

  Also erstmal mit einem Lüfter runterkühlen:  

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Derweil wird das herabgetropfte Palmin unter der Drehvorrichtung beseitigt.  

  Ein paar Spritzer Industriereiniger in das warme Rohr zum fettlösen  

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Und wieder Schrubben:  

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Bis das Rohr kalt und sauber ist  

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  Jetzt könnte man die Bürste auch auf'm Klo endlagern.
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  Während wir die Würstchen gefuttert haben, kamen von Kollegen aber massenhaft Anregungen, wie man die Apparatur verbessern könnte (Ingenieursgehirne arbeiten wahrscheinlich immer).  

  Das Rohr muss unbedingt auf die Drehbank und dann müssen innen Rillen reingedreht werden - so dass die Wurst nur punktuell aufliegt. Wie auf einem Grill halt. Dann könnte man wieder ohne Fett grillen und die Wurst würde nicht fest backen.  

  Vielleicht könnte man das Rohr auch schräg stellen. Dann wandert die Wurst alleine langsam durch das Rohr.
Der Neigungswinkel bestimmt dann die Grillzeit. Eine Seite die kalte Wurst rein, auf der anderen kommt sie fertig gegrillt raus.  

  Das Rohr könnte doch prima aus Edelstahl sein (Geld spielt keine Rolle). Dann könnte man mit Gleichstrom schweißen - das wäre nicht so laut.
Ok, dann kann ich den Gleichstrom aber mit meinem MP3-Player modulieren und wir hätten ordentlich laute Musik aus dem Lichtbogen.  

  Ich vermute jedoch: Aufgrund der astronomischen Betriebskosten, wird dieses Grillen wohl einmalig bleiben.
Aber wenn jemand schon alles hat und seine reichen Freunde beeindrucken will: kontaktiert mich mal...  

 
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  Bleibt abschließend noch das einstimmige Urteil der weiblichen Kollegen:  

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...soo muss das sein!  

 
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Aber der Seitenquelltext sieht auch interessant aus, zumindest wenn man ihn mit einem Monospace Font in sehr kleiner Schriftgröße betrachtet.

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