
Mit 4 Frauen im Haus ist das Bad morgens natürlich schwer ausgelastet. Wenn man selbst nicht der Erste ist, hat das den Vorteil, dass es meist schon mollig warm ist. Leider hängt vom Duschen dann auch schon eine Nebelwolke unter der Decke. Und im Spiegel erkennt man gar nichts mehr, da er total beschlagen ist.
Also blind rasieren?
Oder früher aufstehen?
Da ich nicht - wie amerikanischen Häusern üblich
- mehrere Badezimmer habe, und daher morgends in meinem Frauen-Haushalt
eher weniger männerfreundlichere Zustände herrschen, muss ich es nehmen, wie es
kommt. Entweder die Tür solange offen stehen lassen, bis im von Frauenhand durchgestylten
Duravit Badezimmer die Dampfschwaden vom
Spiegel abgezogen sind – was wahrscheinlich das morgendliche Zeitkonto
erheblich überschreitet – oder sich etwas einfallen lassen.
Bei Pollin gab's selbstklebende Flächenheizfolien (220V/15W) in 7x7cm Größe. Da am Spiegel sowieso 2 Halogenlampen angeklebt sind, kommt die Heizung einfach parallel zum Halogen-Trafo.
Also flugs den Spiegel von der Wand genommen, die Folie hinten draufgepappt, zwei Drähte angeklemmt - und fertig!
Wird die Heizung so warm werden, dass sie den Nebel vertreibt?
Oh ja - sie wird! Das Glas wird sofort warm. Nach ein paar Minuten roch es ein wenig nach Plastik. Also hab ich nochmal angefasst und mir satt die Finger verbrannt! Grmpf.
Kann nur an den 220V liegen, für die das Teil gedacht ist - aus meiner Steckdose kommen 236V.
Also flugs ein paar Zahlen aufs Papier gekrakelt und einen schönen Vorwiderstand berechnet: 7 Stück 1K8/0.25W parallel haben den gewünschten Widerstandswert und ausreichend Leistung.
Damit sollten an der Folie nur noch 220V abfallen.
Also Eingeschrumpft
und angeschraubt
So - und nun wird der Spiegel nur noch warm - oder?
Das Thermometer klettert erst auf fünfzig, dann sechzig dann siebzig Grad. Nach ein paar Minuten hab ich abgebrochen, als es bei satten 87° Celsius stand.
Ok, der Spiegel ist damit großflächig beschlagfrei. Also werde ich jetzt einen Aufkleber "Vorsicht heiß - Verletzungsgefahr - Berührung nur durch sachkundige Person" quer drüberkleben. Oder ein Schutzgitter davor montieren.
Könnte natürlich sein, dass ich dann das Bad bald dauerhaft für mich alleine habe...
Also kommt wohl demnächst ein weiterer Vorwiderstand davor, bis das Teil nicht mehr über 60° geht. Oder ein Bimetallschalter. Vielleicht auch eine temperaturgeregelte Phasenanschnittsteuerung.
Na ja, vielleicht auch nicht...Es funktioniert ja erstmal!

Da man den
Spiegel vorerst nur noch ohne Beleuchtung putzen darf, krieg' ich von meinen
Frauen nur ein ![[Bild WAF-Gelb]](waf_y.gif)

Nachtrag 22.9.2006
Statt des selbst gefrickelten 260 Ohm Widerstands hab ich jetzt einfach
einen langweiligen 470 Ohm / 5W Widerstand genommen. Auch der reicht noch nicht. Deutlich über
70 Grad zeigte das Thermometer. Ein Vorwiderstand ist da natürlich auch nicht so geeignet,
da damit die Kaltleiter-Eigenschaften
des Heizdrahtes immer weniger
eine Rolle spielen. Die sind es aber, welche den Stromfluss bei steigender
Temperatur reduzieren.
Besser geeignet sind daher Zenerdioden. Da meine Z-Dioden nur 0,8W Leistung verbraten können, kommen 4 gegeneinander geschaltete 7,5V Dioden zum Einsatz.
Das gibt etwa 16V Spannungsabfall. Eingebaut und ausprobiert liefert nach 2 Minuten 60 Grad. Prima!
Da ich beim experimentieren
unterbrochen wurde, lief die Heizung eine halbe Stunde weiter. Ich denke, dass
nach der Zeit die Maximaltemperatur erreicht ist. Also noch mal schnell den
Thermofühler draufgehalten - mit den Fingern
prüf' ich nicht mehr.
War auch besser
so. Deutlich über 90 Grad auf der Heizung selber.
Ich glaube, was hier als Fünf-Minuten-Projekt geplant war (Spiegel abnehmen, Tüte aufreißen, Heizung aufkleben, 2 Drähte anschließen, Spiegel aufhängen) artet langsam zu einem ganz normalen Wahnsinnsprojekt aus.
Da kann ich ja mal ein paar grundsätzliche Überlegungen einfließen lassen.
Dazu kläre ich erstmal, warum er überhaupt
beschlägt.
Die Raumluft kann eine bestimmte Wassermenge aufnehmen. Man
spricht von der relativen Luftfeuchtigkeit. Bei 100 % relativer Luftfeuchtigkeit
ist die Luft vollständig
mit Wasserdampf gesättigt.
Wird die Sättigung von 100 % überschritten, kann die Luft das Wasser nicht mehr
halten und es bildet sich aus dem überschüssigen Wasser Kondenswasser oder Nebel.
Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte Luft. Wenn ich nun in einem 20° warmen Bad mit
38° Dusche, wird die Luft in der Dusche durch das Wasser erwärmt und nimmt soviel Wasser
auf, wie sie tragen kann.
Maximal ist die Luft
also 38° warm und hat 100% relative Luftfeuchte.
Kommt diese Luft nun an den Spiegel, so kühlt sie auf 20° ab und kann nicht mehr das ganze Wasser halten. Es kondensiert am Spiegel.
Damit ist klar, dass ich den
Spiegel nur so warm machen muss, wie die maximale Duschwassertemperatur.
Also
sollten 40° reichen. Da die Folie aber nicht über die ganze Fläche geht
und das Guckloch an der beschlagenen Scheibe, welches durch die Heizung
entsteht, ruhig Kopfgröße haben darf, werde ich die Temperatur etwas höher
machen. 
Jetzt kleb ich einfach einen
Bimetallschalter mit 70° Schaltpunkt drauf, schalte ihn in
Reihe und dann, ja dann ist das Teil hoffentlich fertig!
Dazu hab ich die Anschlusslaschen vom Schalter abgezwackt, Drähte drangelötet, Schrumpfschlauch drüber,
dann Heizfolie und Schalter mit Kontaktkleber eingeschmiert. 10 Minuten gewartet.
Zusammengedrückt und mich bei diesem Projekt schon fast nicht mehr gewundert, dass der Kleber von der Heizfolie einfach abfiel. Im kalten Zustand! Dreckszeug! Ich hab diverse Kleber ausprobiert: Da hält rein gar nix drauf...
Na dann kleb ich den Klumpen halt an den Spiegel...
So,
Thema durch. Jetzt kann es Winter werden!
Sofern dieses unglaubliche Teil nicht noch eine
Überraschung parat hat... 
Hm, bisher funktioniert
das Teil einwandfrei. Also kann ich jetzt abschließend die Wirksamkeit dokumentieren.
Dazu hab ich mal die Spiegelbeleuchtung erst nach dem Duschen eingeschaltet.
Nach einer Minute sieht man schon ein ordentliches "Loch":
Vier Minuten später (also 5 Minuten nach dem Einschalten) ist es nur noch in der oberen rechten Ecke ein wenig beschlagen.
Schaltet man das Licht schon vor dem Duschen ein, beschlägt
der Spiegel überhaupt nicht mehr! 
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Aber der Seitenquelltext sieht auch interessant aus, zumindest wenn man ihn mit einem Monospace Font in sehr kleiner Schriftgröße betrachtet.